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Foto von Flavio Amiel

Vereins-Newsletter Nr. 49 – November 2022

Frisch rausgeschickt – am 30. Oktober 2022 ist der Vereinsnewsletter erschienen … hier der Link zur Online-Version oder eingebettete Preview lesen:

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Für mehr Klimaschutz im Möckernkiez Energiesparen, Energieversorgung und Klimaanpassung – das waren die Themen eines ersten ausführlichen Workshops der AG Klima mit dem Vorstand der Genossenschaft im August. Entstanden ist dabei eine Liste mit rund 30 möglichen Zielen und Maßnahmen für mehr Klimaschutz und -anpassung in unserem Kiez. Am 06.10. hatte die Klima AG ihr zweites Treffen mit dem Vorstand. Dabei wurde insbesondere ein gemeinsamer Informationsflyer zum Thema Ernergieeinsparung erarbeitet. Denn auch wir müssen unseren Gasverbrauch senken, um der aktuellen (und auch zukünftigen) Energieknappheit zu begegnen. Der Flyer soll Tipps geben, die besonders auf unsere Gebäude und unser Heizsystem zugeschnitten sind. Durch unsere gut gedämmten Gebäude und das spezielle Lüftungssystem liegt das größte Einsparpotenzial bei uns nämlich im Warmwasserverbrauch. Bis zu 50% der Heizenergie geht in unseren Haushalten dafür drauf. Aber auch beim Stromverbrauch kann noch viel getan werden. Um Stromfresser im Haushalt zu identifizieren, werden zurzeit Strommessgeräte organisiert, die dann in den Hausgruppen nach Bedarf ausgeliehen werden können. Der Vorstand plant, den Flyer mit der Information zu der Energiepreisentwicklung Ende Oktober zu verschicken. Im November werden dann zwei Informationsveranstaltungen der Klima AG zum Thema Energieeinsparung organsiert, um Fragen zu beantworten und weitere Hilfestellung zu geben. Des weiteren wurde erörtert, wie Anstrengungen zum Energiesparen in Zukunft besser sichtbar gemacht werden können. Wo sind wir auf einem guten Weg? Wo sollten die Anstrengungen noch erhöht werden? Es wird diskutiert, eine monatliche Energieauswertung zu implementieren, um eine direkte Rückkoppelung an die Häuser zu geben. Gemeinsam erreichen wir mehr, deswegen gehen folgende Aufrufe an die Hausgruppen: – Wer hat in Eurem Haus Interesse an einem selbstorganisieren Strom-Monitoring? – Habt Ihr im Haus jemanden, der sich als Energielotse bereit erklärt, Hilfestellungen für Nachbarn beim Energiesparen zu geben? – Wer hat eigene Strommessgeräte und kann sich vorstellen, diese zu verleihen? – Ihr habt besonders ungewöhnliche Energiespartricks bei Euch umgesetzt? Schickt uns Eure Ideen! Kontakt: klima-moeckernkiez@posteo.de Wir sind zuversichtlich, ohne große Entbehrungen noch einiges an Energie bei uns einsparen zu können! Informationsveranstaltungen der Klima AG zum Thema Energiesparen: – für Einsteiger am Montag, 28.11. um 19 Uhr im Forum – für Fortgeschrittene am Montag , 12.12. um 19 Uhr im Möca Außerdem sind Treffen geplant zwischen HochC (Landschaftsarchitekten), Grüner Daumen und Klima AG zum Thema Weiterentwicklung der Außenanlagen sowie weiterer Austausch zwischen der Klima AG und dem Vorstand. Was genau sind „Wohnzwecke“? Untervermietung – Gastfreundschaft oder Geschäftsmodell? Nicht alle, die in Urlaub fahren, wollen ihre Wohnung leer stehen lassen. Also wird die Nachbarschaft gefragt, ob vielleicht jemand die Großeltern einladen möchte, die viel Zeit für die Kinder mitbringen und die Eltern entlasten können. Sie hüten die Wohnung, gießen die Pflanzen und füllen mit einem Mietzuschuss die Reisekasse auf. Ein anderes Szenario: jemand muss aus beruflichen Gründen mehrere Monate ins Ausland reisen und überlässt in der Zwischenzeit für einen kleinen Obulus die Wohnung einer Studentin, die in Ruhe ihre Doktorarbeit beenden möchte. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Im Sommer wurden viele Wohnungen im Möckernkiez auf diese Weise „zwischengenutzt“. Aber wenn aus Gastfreundschaft ein Geschäftsmodell wird, dürfte eine Grenze überschritten sein. Vor einigen Monaten war auf Airbnb, der kommerziellen Plattform für die Vermietung von privaten Urlaubsquartieren, auch eine Wohnung zu finden, die auf den gezeigten Fotos eindeutig im Möckernkiez liegt. Das Angebot scheint inzwischen aus dem Netz verschwunden zu sein. Aber was sollen vor allem diejenigen Genossenschaftsmitglieder, die schon seit Jahren auf eine Wohnung warten, davon halten, dass Wohnungen im Kiez als Ferienwohnungen angepriesen werden? Und ist es noch vertretbar, wenn ein Appartement, das im Möckernkiez wohnende Genoss:innen zusätzlich für gelegentliche Besuche von Verwandten gemietet haben und das häufig leersteht, anderen zur Nutzung gegen Bezahlung angeboten wird? Die Anbietenden sehen das als eine Form von Sharing, aber passt das zu einer Genossenschaft, die möglichst vielen Menschen bezahlbaren Wohnraum anbieten möchte? Möckernkiez-Vorstand Ansgar Dietrich verweist auf den Dauernutzungsvertrag, den alle unterschrieben haben, die im Möckernkiez wohnen. Dort ist geregelt, dass Wohnungen nur zu Wohnzwecken genutzt werden dürfen und die Genossenschaft zustimmen muss, wenn eine Wohnung Dritten überlassen wird, egal ob gegen Bezahlung oder umsonst. Nur die unentgeltliche Aufnahme von Besuch ist innerhalb einer angemessenen Dauer gestattet. Ein Modell für den Möckernkiez? „Wir achten bei der Vergabe sowohl auf eine angemessene Auslastung, als auch darauf, dass die Wohnung als Hauptwohnung angemietet wird“, sagt Ansgar Dietrich. Aber während des Baustopps in der Gründungsphase habe es ein Zeitfenster gegeben „wo die Genossenschaft darauf angewiesen war, schnell eine vollständige Vermietung nachzuweisen und wir froh waren über jedes Mitglied, das für die noch offenen Wohnungen unterzeichnet und gezahlt hat“. An dieser Stelle liege es in der Verantwortung jedes wohnenden Mitglieds, seinen Wohnungsbedarf und die Wohnungsgröße gelegentlich zu hinterfragen. Sollte sich jemand verkleinern wollen, bestehe ja nun die Möglichkeit, dies über einen Wohnungstausch zu realisieren. „Wenn wir konkrete Anhaltspunkte für Vertragsverstöße haben, gehen wir mit den jeweiligen Mitgliedern ins Gespräch“, kündigt der Vorstand an. In einem Fall sei es gelungen, den Mieter einer kaum genutzten und mehrfach als Ferienwohnung vermieteten Wohnung zu bewegen, den Vertrag zu kündigen. In einem anderen Fall haben die betroffenen Mitglieder schriftlich versichert, keine Fremdvermietung mehr zu machen. Nicht jede kurzzeitige Überlassung einer Wohnung während eines Urlaubs will Ansgar Dietrich auf dem Tisch haben, aber grundsätzlich empfiehlt er, im Zweifel kurz in der Geschäftsstelle nachzufragen, ob im konkreten Fall eine förmliche Genehmigung notwendig ist. Wenn es wirklich nur um Gastfreundschaft gehe oder um die Überbrückung einer begrenzten Abwesenheit ohne Gewinnerzielungsabsicht, stehe einer Genehmigung in der Regel nichts im Weg. Das Portrait Katalin Sofalvi Uuuund – Action!!! Zum sich neigenden Sommer wurde uns im Möckernkiez und vielen Freund:innen vom Möcki/Ensemble an vier Abenden ein großartiges Theater-Ereignis gegeben: „Ein Sommernachtstraum“, frei nach Shakespeare. In einer kurzweiligen Stunde erlebten wir die komplizierte Geschichte, dargeboten von „unseren Nachbar:innen“, voller Spielfreude und mit lustigen Verwandlungskünsten. Wer steckt eigentlich hinter dieser Gruppe? Gründerin, Ideengeberin, Regisseurin, Kostümbildnerin, Organisatorin – wie auch für die andere Theatergruppe der „8 Frauen“ – ist Katalin Sofalvi. Sie wohnt seit 2018 hier, ist Ehefrau und Mutter zweier Söhne. Wie kam sie zu ihrer Arbeit und in den Möckernkiez? In Ungarn lebend, lernte sie mit viel Engagement die deutsche Sprache und wollte dann unbedingt Land und Leute kennenlernen. 2003 kam Katalin nach Berlin; nach dem Abitur hatte sie in Ungarn bereits das Studium der Theaterwissenschaften begonnen und Bühnenerfahrungen gemacht, doch ihr eigentliches Interesse war die Theaterregie. Nach Praktika und dem Studium der Theaterpädagogik und -regie mit Abschluss in Berlin entschied sie sich, mit freien Gruppen zu arbeiten. Was bedeutet die Regiearbeit für sie? Erstens die Gemeinschaft der schaffenden Menschen, die auf ein Ziel hinarbeiten. Zweitens das Vertrauen in sich selbst und in jedes Mitglied finden, um eine angstfreie Atmosphäre zu schaffen. Drittens das Ausleben von Phantasien, die ihr als Künstlerin gegeben sind. Und Viertens bedeutet das: arbeiten, arbeiten, arbeiten. Mit der ihr eigenen Energie, dem Temperament und ihrer Freude an dem Prozess inspiriert sie ihre Laiendarsteller:innen und hält sie bei Laune. Wie kam sie zum Möckernkiez? Ihre Familie wohnte nicht weit von hier und der erste Sohn wollte immer nur Bagger und Kräne beobachten, und die fanden sie ab 2017 auf unserem Baugrundstück zur Genüge. Als die Bauschilder standen, bewarben sie sich sofort und immer wieder, und bereits seit 2018 wohnen sie hier und Katalin fand die positive Gemeinschaft in ihrem Haus und im Kiez. Wie finanziert sich eigentlich die Theaterarbeit? Die Gruppenmitglieder bezahlen einen monatlichen Beitrag, Katalin finanziert die Ausstattung vor und bezahlt von den Spenden der Zuschauer:innen dann Technik, Bühne, Kostüme, Musik, Fotografie, Video, Dramaturgin. Also: Bei den kommenden Aufführungen, an denen bereits wieder fleißig geprobt wird, das Portemonnaie öffnen und großzügig spenden. Danke Katalin, danke allen Darsteller:innen und Helfer:innen. Verein Gemeinschaftsgrab Möckernkiez Herbstliche Bepflanzungsaktion Nachdem der Friedhofsgärtner des Alten St. Matthäus-Kirchhofs das Feld des Gemeinschaftsgrabes von dem wilden Efeubewuchs befreit hatte, trafen sich Mitte Oktober bei idealem Herbstwetter einige Mitglieder des Vereins, um die Grabstätte mit heimischen Trockenrasenblumen – Pflänzchen und Samen – zu versehen. Das sind unter anderem Kartäusernelke, Tauben-Skabiose, Grasnelke und Ehrenpreis, insgesamt waren es über 90 Töpfchen. Zudem wurden Frühblüherzwiebeln eingesetzt wie Schneeglöckchen, Wildtulpen und weiße Narzissen. Es handelt sich um wenig gießintensive Pflanzen. Nach knapp drei Stunden war die Arbeit getan. Nun sind wir gespannt, welche erste Blütenpracht sich ab dem Frühjahr zeigen wird. Und wer Informationen zum Gemeinschafts(urnen)grab bekommen möchte, wende sich bitte an Anita Leisge anitaleisge@web.de Noch können Plätze vergeben werden. AG Grüner Daumen Pflanzen für die Klimaanpassung Gamander Ehrenpreis – hübsch und genügsam
Wir gehen mit der Zeit – Wassersparen (übrigens ausschließlich Regen- oder Grundwasser) im Garten ist in Zeiten des Klimawandels unverzichtbar und deshalb auch unser Thema. Dafür wählen wir schon seit längerer Zeit für Neuanpflanzungen und für den Umbau bzw. die Anpassung der von den Gartenplanern HochC vorgegebenen Wiesen trockenheitsresistente Blumen und Gräser. Auch Sträucher und Bäume werden nach diesen Kriterien ausgesucht. Zum Beispiel soll der Flieder in den Kästen am Yorckplatz langfristig mit Sanddorn versetzt werden. Spielrasen soll möglichst nicht gewässert werden, denn er wird von selbst, auch wenn er stark vertrocknet, wieder grün. Bei unseren jungen Bäumen, Rankpflanzen, Hecken und Sträuchern bleibt keine andere Wahl, als sie bei Hitze kräftig zu wässern – sie sind der Kern unseres Kleinklimas und bringen Kühlung. In ein paar Jahren werden sie hoffentlich das Grundwasser erreicht haben. Leider gilt dies nicht für alles Grüne auf der Tiefgarage. Auch auf den Balkonen kann eine Menge getan werden: Begonien, Petunien, Geranien, Hortensien und andere Zuchtstauden sind Wasserfresser und können leicht durch heimische Wildstauden mit ebenso hübschen Blüten ersetzt werden. Dazu erarbeitet ein Mitglied unserer AG eine Liste, die wir ins Intranet stellen oder die bei uns demnächst abgerufen werden kann. Wer noch weitere Vorschläge einzubringen hat, wende sich bitte per Mail an die AG: u.schenk@posteo.de. Eine gute Einführung in die Themen Pflanzenauswahl und richtiges Gießen bietet ein Buch, das sich im Besitz des Grünen Daumens befindet: Aurélien Davroux, Wächst fast ohne Wasser – Gärtnern mit dem Klimawandel. Übrigens, nach der Zielvereinbarung, die der Vorstand jedes Jahr mit der AG Grüner Daumen unterzeichnet, ist allein der Vorstand berechtigt, Pflanzungen wie Bäume, Fassadenbegrünung, Hochbeete oder große Sträucher zu genehmigen. Er kümmert sich jedoch nicht um einzelne kleine Pflänzchen. Das Möca informiert Winteröffnungszeiten des Cafés und „Litfaßsäule live“ Ab 1. November 2022 gibt es im Möca jeden Dienstagvormittag ein neues Angebot – den Kulturveranstaltungsaustausch „Litfaßsäule live“. Wir kommen zusammen und informieren uns über Filme, Konzerte, Ausstellungen, Theater und anderes mehr, geben unsere Eindrücke weiter und lassen uns inspirieren. Ab November ändern sich die Öffnungszeiten wie folgt: – Dienstagvormittag: 11-13 Uhr Café und „Litfaßsäule live“ – Dienstagnachmittag: 15-18 Uhr Café und Spieleangebote Ab Dienstagnachmittag, den 22. November beginnt wieder das beliebte Basteln von Fröbel-Sternen Mittwoch: 12.30-18 Uhr Café und Mittagessen von 12.30 bis 13.30 Uhr Donnerstag: 11-13 Uhr und 15-18 Uhr Café Freitag: 10-12 Uhr Presseclub mit Frühstück, 12.30-14:00 Mittagssuppe Samstag und Sonntag: Café von 15-18 Uhr Der Mitbring-Brunch findet weiterhin an jedem ersten Sonntag im Monat von 11-13 Uhr im Möca statt. Kleine (Geburtstags-)Gesellschaften bis 5 Personen können jederzeit spontan kommen; ab 6 bis 10 Personen bitte vorher anmelden und Sekt und Kuchen mitbringen. Das Möca-Team freut sich weiterhin über neue Ideen zur Ausgestaltung und zu weiteren Formaten, ebenso über unterstützende Menschen aus nah und fern und über selbstgebackene Kuchen sowie leckere Snacks.
Kontakt: moeca@moeckernkiez-ev.de Dragonerareal Keine Investoren Das Dragonerareal ist das Gewerbegebiet hinter dem Kreuzberger Finanzamt. Es wird ohne Investoren in den nächsten Jahren kommunal und gemeinwohlorientiert entwickelt – in einer Kooperation bestehend aus Bezirk, Land und mitwirkenden Bürger:innen. Ein Kleinod existiert schon: In einem sanierten Pferdestall der ehemaligen kaiserlichen Kaserne befindet sich der Kiezraum für die Nachbarschaft – demnächst selbstverwaltet. Die zum Teil leerstehenden, denkmalgeschützten Gebäude werden ertüchtigt und einer neuen Nutzung zugeführt. Bisherige Gewerbemieter haben aber Bestandsschutz. Außerdem sollen insgesamt 470 Mietwohnungen im Neubau entstehen. Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) wird mit dem Bau der ersten Wohnungen voraussichtlich ab 2025 anfangen. 100 Wohnungen sollen gemeinwohlorientierten Wohnungsbauträgern zugeschrieben werden, wie z.B. Genossenschaften oder dem Mietshäusersyndikat. Die vorgesehenen Grundstücke gehören dem Land. Sie werden von der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) verwaltet und in Erbpacht vergeben. Dafür werden Konzeptverfahren durchgeführt, wenn der Bebauungsplan (ca. 2024) rechtskräftig ist. Weiterhin sind 25.000 qm Gewerberaum geplant, Kitaplätze und eine Jugendfreizeiteinrichtung. Zusätzliche 5.500 qm sollen gemeinwohlorientiert genutzt werden. Die engagierten Bürger:innen freuen sich über Interesse, Unterstützung und Verstärkung. Gelegenheit dazu ist am Dienstag, den 15.11.22. Um 18 Uhr findet dann im Kiezraum eine offene Veranstaltung statt, das „Forum Rathausblock“. Neu Interessierte können einfach dazu kommen, sich informieren und mitdiskutieren. Mehr Infos: https://www.berlin.de/rathausblock-fk




Hilfe für Geflüchtete Selektive Humanität Meine WG im Möckernkiez ist Teil der Solidaritätsbewegung, die Menschen unterstützt, die aus der Ukraine geflohen sind. Die Solidarität in unserer Genossenschaft ist beeindruckend. Auch wir teilen unsere Wohnung mit einer Familie. Meine alten Mitbewohner:innen sind selbst geflüchtet oder unterstützen geflüchtete Menschen schon lange. Bei der Freude über die Unterstützung für Menschen aus der Ukraine fällt die Ungleichbehandlung von anderen Menschen, die vor Krieg und Verfolgung geflohen sind, sofort ins Auge. Keine Kriminalisierung der Einreise, Übersetzungen, Deutschkurse, Arbeitserlaubnisse, Hochschulzugang, schnelle Aufenthaltserlaubnis und vieles andere. Dafür kämpfen geflüchtete Menschen seit den 80er-Jahren immer wieder. Jetzt ist es möglich. Aber nicht für alle. Die neuen Regeln gelten nicht für die Menschen, die seit langem dafür kämpfen und aus Afghanistan, Syrien, Irak, Somalia und anderen Ländern außerhalb Europas geflohen sind. Die neuen Regeln und die positive Darstellung von Ukrainer:innen sind nicht annähernd vergleichbar mit dem Umgang mit Menschen z. B. aus Afghanistan. Der österreichisch-afghanische Journalist Emran Feroz beschreibt in der taz die grausame Ungleichbehandlung als letzten Beweis für viele Geflüchtete, dass ihr Leben in Europa nichts wert ist. Der in Kiew geborene Autor Dmitrji Kapitelman spricht von Selektiver Humanität, wenn an der Grenze zwischen Polen und Belarus Geflüchtete sterben und mit dem Segen der gesamten EU militärisch zurückgedrängt werden und ein Stück weiter mittlerweile zeitgleich Ukraineri:nnen auch staatlich offen aufgenommen werden. Ganz zu schweigen von den seit Jahren öffentlich bekannten illegalen Pushbacks durch die EU-Grenzschutzagentur Frontex im Mittelmeer. Wir müssen diese Ungerechtigkeit aufzeigen, um die neuen Regeln für alle Menschen möglich zu machen. Wir sollten nicht vergessen, Ukrainer:innen wurden bis Februar 2022 sehr stark durch antislawischen Rassismus stigmatisiert, der nun Russ:innen umso stärker trifft. Wenn wir das und die Selektive Humanität nicht überdenken, dann wird die Stimmung in Deutschland – ähnlich wie nach dem „Sommer der Migration“ und der kurzen „Willkommenskultur“ im Jahr 2015 (der keine erleichterten staatlichen Aufnahmeregeln folgten, im Gegenteil) – schnell kippen, auch für Menschen aus der Ukraine. Möckernkiez e.V. Neuer Vorstand im Regen gewählt Am 20. Juni konnte endlich wieder eine Mitgliederversammlung des Vereins in Präsenz stattfinden, voller Hoffnung auf gutes Wetter auf dem Kiezplatz. Die formalen Tagesordnungspunkte wie Rechenschaftsbericht, Kassenbericht etc. wurden abgearbeitet, der Vorstand entlastet. Dann zog eine dicke Regenhusche über den Platz, aber die Mehrheit der anwesenden Mitglieder ließ sich davon nicht verdrängen. Drei ausscheidende, langjährige Vorstände wurden herzlich mit Blumen und Worten des Dankes verabschiedet und ein neuer Vorstand mit großer Mehrheit gewählt. Spaß und Pflicht Die buchhalterische Seite des Möca Wir Bewohner:innen der Möckernkiez-Genossenschaft betreiben ehrenamtlich seit 2018 ein wunderschönes Café. Doch damit ist es nicht getan, auch die buchhalterische Seite muss bewältigt werden. Hier hatten wir großes Glück, denn Irene Großmann brachte alle notwendigen buchhalterischen Kenntnisse mit, die für den Betrieb des Cafés notwendig sind. Sie besuchte eine Wirtschaftsschule und spezialisierte sich danach auf kaufmännisch-steuerrechtliche Belange. Während der Planungs- und Entstehungsphase der Möckernkiez-Genossenschaft im Jahre 2010 bis zum Baustopp und danach war sie im Treffpunkt Möckernkiez, Yorckstr. 63, mit vielen anderen Engagierten tätig und beriet dort Einzugsinteressierte. Als wirklich Allererste zog sie bereits im Dezember 2017 in ihre Erdgeschosswohnung im Haus G11. Das Gemeinschaftscafé, später „Möca“ getauft, wurde im Oktober 2018 gegründet. Irene, zuvor auch schon an den Planungssitzungen zur Gestaltung der Gemeinschaftsräume beteiligt, übernahm die buchhalterischen Aufgaben des laufenden Betriebs rund um die Finanzen und erledigte diese aufwendige und kleinteilige Arbeit mit großem Einsatz. Es war nicht immer einfach, die teils qualitativ schlechten und schwer lesbaren Belege in eine klare Struktur zu bringen. Beim Ehrenamtsfest im Mai dankte ihr der Vereinsvorstand mit einem Blumenstrauß. Zum 31. Mai gab Irene dieses Ehrenamt aus gesundheitlichen Gründen auf. Wir alle sind ihr sehr dankbar für ihr langjähriges Engagement. Eine Rikscha zum Möckernkiez Komplett klimaneutrale Kiezrundfahrten „Ostfriesen lernen zuerst Fahrrad fahren, dann das Gehen“ sagt unser Nachbar Heinrich. Seine Zuneigung zu den zwei Rädern ist ihm geblieben, als Fortbewegungsmittel – und seit einiger Zeit auch als Ehrenamt. Nach seiner Pensionierung vor vier Jahren fuhr er zuerst Tourist:innen per Bike-Taxi durch die Stadt. Da konnte er gut seine Orts- und Fremdsprachenkenntnisse anbringen. Und er begann zudem, für den Verein „Radeln ohne Alter“ (www.radelnohnealter.de/berlin/) Bewohner:innen einer Senioreneinrichtung in der Hauptstraße durch die Stadt zu fahren. Dabei ist Heinrich geblieben. Eine Koordinatorin erstellt einen Wochenplan für gewünschte Touren, die zu jeder Jahreszeit und bei (fast) jedem Wetter stattfinden. Eine Fahrt kann bis zu zwei Stunden dauern, ganz nach dem Wunsch der Gäste, die gehbeeinträchtigt, schwach auf den Beinen sind oder in anderer Weise unter Beeinträchtigungen leiden. Die Fahrt ist kostenfrei, gern werden Spenden für den Verein entgegengenommen. Die zwei Besucher:innen kürzlich im Möca: „Was für eine wunderbare Unterbrechung und Abwechslung unseres Alltags.“ Heinrich: „Es wäre prima, Piloten und Pilotinnen hier im Möckernkiez gewinnen zu können.“ Sommerzeit – Schmetterlingszeit Schwerelos zwischen Erde und Himmel Flügelt ein kleiner blauer Falter – vom Wind geweht, Ein perlmutterner Schauer, glitzert, flimmert, vergeht So mit Augenblicksblinken, so im Vorüberwehn Sah ich das Glück mir winken, glitzern, flimmern, vergehn. (Hermann Hesse) Tja, das kleine Glück des Augenblicks, was gibt es Schöneres? Die ersten Schmetterlinge überraschen uns hier im Kiez und Gleisdreieck-Park von Mitte bis Ende Februar. Es sind Zitronenfalter und Tagpfauenaugen, etwas seltener auch der kleine Fuchs. Die Cornell-Kirsche sowie der Winterjasmin werden als früh blühende Nahrungsquellen gerne angenommen. Diese Falter haben überwintert und ihr kurzes Leben dient nur noch der Fortpflanzung. Die Schmetterlinge hießen übrigens früher Sommervögel und bezaubern die Menschheit schon sehr lange. Ihre Pracht und die Mannigfaltigkeit ihrer Farben und Muster, fragil und vergänglich wie Blumen, sehen wir immer nur kurz im schwerelosen Auf und Ab zwischen Erde und Himmel. In der Abenddämmerung, manchmal auch schon tagsüber, sieht man kleine Kolibris vor den Blumen stehen. Es sind Taubenschwänzchen, die übrigens auch zu den Wanderfaltern gehören und die mal kurz bis zu 3000 km fliegen können (mit Hilfe von Höhenwinden). Das gleiche gilt für den bezaubernden Distelfalter und den im Spätsommer erscheinenden schwarzroten Admiral. Unsere Vorgärten bieten den meisten Faltern nur zum Teil ein ausreichendes Nahrungsangebot, am besten sind die eher „ungepflegten“ Vorgärten mit wilden Ecken und Wildkräutern (früher diskriminierend Unkraut genannt). Gerade sie enthalten oft die nötigen Nahrungs- und Futterpflanzen (für die Raupen). Zu empfehlen sind Kleearten, Gräser, Schafgarbenarten, Disteln, wilde Möhre, Sommerflieder u.a. Neue Angebote laufen gut an Sonntags brunchen, abends Durst löschen Schon zum zweiten Mal hat das Mitbring-Brunch auf dem Kiezplatz stattgefunden. Jeweils am ersten Sonntag im Monat von 11 bis 14 Uhr bietet das Möca diesen Service an: Kaffee und andere Getränke – auf Spendenbasis – und die Logistik: Geschirr und Gläser und damit auch den Abwasch! Die Teilnehmenden bringen Leckereien mit, die dann geteilt werden können. Absprachen sind nicht nötig, jede:r bringt eine Lieblingsspeise mit – das hat bisher gut geklappt. Man kann dabei viele neue Leckereien kennenlernen und probieren. Die Idee: einen angenehmen Sonntagvormittag in Gesellschaft zu verbringen und neue Möckernkiezler:innen kennen zu lernen. Auch dies hat bisher gut funktioniert, Bewohner:innen aus verschiedenen Hausgruppen kamen zusammen. Ein Feierabendtrunk ist im Möca jetzt auch möglich. Am Freitag, Samstag und Sonntag ist geöffnet, in der Regel von 18 bis 20 Uhr. Es gibt dann keinen Kaffee mehr sondern Knabber-Zeug und Softdrinks. Andere Getränke müssen mitgebracht werden, bzw. werden von Einzelpersonen organisiert und für einen kleinen Preis zur Verfügung gestellt. (Hintergrund: das Möca hat keine Ausschank-Lizenz). Dadurch sollen auch berufstätige Nachbar:innen die Gelegenheit erhalten, das Möca und den Treffpunkt nach Feierabend zu nutzen, andere kennen zu lernen und zu plaudern. Wir wünschen uns, dass in Zukunft viele Menschen diese Angebote nutzen, um unseren Kiez noch lebendiger sowie lebens- und liebenswerter zu machen. AG Grüner Daumen Tipps zur Wiesenpflege Um Wiesen blüh- und insektenfreundlich zu gestalten sind ein paar Pflegemaßnahmen angebracht: Ich schaffe Platz für gesammelte Samen (Margeriten, Wildnelken, Wiesensalbei, Klatschmohn usw.) und entferne dabei invasive Arten wie Gras, Schafgarbe, Klee. Dann mähe ich je nach Wetterlage im Juli die verblühten Pflanzen, lasse aber Inseln stehen für diverse Vögel wie Distelfinken, Meisen und Spatzen. Das Mähgut bleibt ein paar Tage liegen, damit die Samen ausfallen können, und wird dann eingesammelt und an anderer Stelle zum Kompostieren oder Mulchen verwendet. Im Oktober schneide ich die Wiese komplett herunter, damit die Frühblüher im folgenden Jahr eine Chance haben. Das Mähgut wird dann entfernt. Eure Sinne werden dieses Stück Natur genießen.