Frisch rausgeschickt – am 30. Juni 2021 ist der Vereinsnewsletter erschienen … hier der Link zur Online-Version oder eingebettete Preview lesen:
¯\_(ツ)_/¯
Die neue Aufsichtsratsvorsitzende im Gespräch „Die Zukunftsfragen gemeinsam mit den Mitgliedern erarbeiten“ Auf seiner konstituierenden Sitzung am 23. Juni wählte der Aufsichtsrat (AR) Silvana Tiedemann zur Vorsitzenden. Vier Fragen an die neue Vorsitzende. NL: Welche Prioritäten habt Ihr Euch gesetzt? ST: Als erste die Bestellung des Vorstandes. Der alte AR hat aus dem Bewerber:innenkreis eine Auswahl getroffen, die wir jetzt zu Gesprächen einladen. Dabei beziehen wir auch die Mitarbeiter:innen ein, immerhin wird es deren neue:r Chef:in. Zweite Priorität hat das Zukunftsforum. Hier starten wir am 24. August 2021 um 19:00 Uhr mit einer online stattfindenden Infoveranstaltung. Um weitere Schwerpunkte zu setzen, geben wir uns noch ein paar Monate Zeit. NL: Wie wollt Ihr Eure Arbeit gegenüber den Mitgliedern transparent halten? ST: Wir verschicken weiter regelmäßig Rundschreiben an alle Mitglieder und nehmen rotierend an den Beiratssitzungen teil – in den nächsten drei Sitzungen jeweils zu zweit, damit sich Beirat und neue AR-Mitglieder kennenlernen können. Außerdem können wir uns vorstellen, auch für den AR ein schriftliches Verfahren wie bei den Vorstandsfragen einzuführen. NL: Mit dem Zukunftsforum hat der Aufsichtsrat eine aktive Rolle in der Perspektiv-Debatte mit den Mitgliedern übernommen. Warum diese neue Rolle? ST: Ich sehe hier keine neue Rolle, aber der Genossenschaft stellen sich nun mal heute diese Fragen. Beispielsweise: Wollen wir in den nächsten Jahren einen Neubau wagen? Wollen wir primär das Leben im Kiez verbessern oder auch in die Stadt hinein wirken? Antworten zu suchen, sehen Vorstand und AR als Aufgabe, die jetzt gemeinsam mit den Mitgliedern bearbeitet werden muss. NL: Welche Themen sind für Dich persönlich besonders wichtig? ST: Zum einen die Weiterentwicklung der Selbstverwaltung, also das Zusammenspiel von Beirat, AR und Vorstand. Der Bannerkonflikt hat gezeigt, dass wir hier mehr Verlässlichkeit brauchen. Zum zweiten die Weiterentwicklung des inklusiven Charakters des Kiezes, womit ich nicht nur die Barrierefreiheit, sondern auch den Abbau sozialer Zugangsbarrieren meine. Stichwort wäre hier etwa die Institutionalisierung eines Solidarfonds. „Barrierefreiheit geht nur mit hilfsbereiten Nachbarn“ Auf den ersten Blick sieht die Wohnung von Marianne Simon aus wie viele andere auch. Aber dann fällt auf, dass die Kücheneinrichtung komplett auf Sockeln steht, damit die Arbeitsflächen und die Schubladen ihrer Körperhöhe im Sitzen angepasst sind, denn nur so kann sich Marianne aus ihrem Rollstuhl heraus ein Essen zubereiten. Die Fläche unter dem Herd ist wie bei einem Tisch frei, weil der Rollstuhl den Platz braucht. Aber da ist doch ein Oberschrank, an den sie im Sitzen gar nicht herankommt? Lächelnd zieht Marianne einen Transponder, eine Art kleine Fernbedienung heraus, drückt ein Knöpfchen und mit einem leisen Surren wandert der Schrank nach unten, bis ihn die Obstschale auf der Arbeitsplatte stoppt. Barrierefrei wohnen – das wollte die Genossenschaft von Anfang an zumindest in einem Teil der Wohnungen verwirklichen. Ebenerdige Duschen, breitere Türen, gut aus einem Rollstuhl zu erreichende Steckdosen und Schalter – an viele Details musste schon in der Bauphase gedacht werden. Trotzdem waren noch viele Nachbesserungen nötig, bis Marianne einziehen konnte. Die Toilette war zu dicht an der Wand, auch das Waschbecken musste noch ein Stück versetzt werden. Und erst nach und nach wurden in den Häusern, in denen Rollstuhlfahrende wohnen, leicht zu bedienende Automatiktüren eingebaut. Trotzdem gibt es noch Probleme und wirkliche Herausforderungen. Zum Beispiel das Gießen der Pflanzen auf dem Balkon und in der Loggia. Es ist nur eine winzige, eigentlich kaum wahrnehmbare Schwelle, die der Rollstuhl überwinden muss. Um die schwere volle Gießkanne zu transportieren, hat sich Marianne ein Tablett auf ein Kissen montieren lassen. Aber es gelingt ihr nur selten, über die kleinen Schwellen zu kommen, ohne dass die Gießkanne herunterfällt und alles unter Wasser setzt. Mit einer bewundernswerten heiteren Gelassenheit schildert Marianne die kleinen Malaisen und die großen Probleme, mit denen sie Tag für Tag klarkommen muss. Endlich hat sie nach langer Suche ein Sofa gefunden, das hoch genug ist, um sich aus dem Rollstuhl heraus dort hinlegen zu können. Im Handel gibt es Sofas in dieser Höhe nicht, also musste es eigens nach Maß angefertigt werden. Vieles kann Marianne allein in ihrer Wohnung bewältigen. Seit einem Fahrradunfall 1997 muss sie mit dieser Querschnittslähmung leben, sie hat aber nie ihren Optimismus und ihre Freude am Leben verloren. Aber oft braucht sie auch Hilfe und die bekommt sie auch von Nachbarn, Freunden, ihren Kindern und Enkeln. „Barriefreiheit geht nur mit hilfsbereiten Nachbarn“, sagt sie. Aber auch die denken nicht immer daran, die Flügeltür ihres Rollstuhlwechselraums im Keller von Kartons und geparktem Mobiliar freizuräumen. Rund um das Haus gibt es noch so manches Hindernis. Die zu steile Rampe etwa vor der Haustür von G 17, die zur Straße führt. Eine rollstuhlgeeignetere Rampe wurde vor dem Hotel gebaut, aber leider mit Kopfsteinpflaster belegt, in dem sich ein Rollstuhl schon mal gerne verhakt. Auch der direkte Zugang von G 17 zum Park ist ein Abenteuer, weil eine Kuhle zum Auffangen von Regenwasser den Weg für Rollstühle versperrt. Aber es findet sich immer ein Ausweg oder eine helfende Hand. Marianne fühlt sich im Möckernkiez zu Hause und plant, sich noch stärker in die Genossenschaft einzubringen. Kindern und Jugendlichen mehr Mitsprache- und Miwirkungsmöglichkeiten zu geben – das ist ihr mindestens genauso wichtig wie das Streben nach noch mehr Barrierefreiheit im Kiez. Kiritk an der Bespitzelung im Möckernkiez – keine Kiezstatistik in Heimarbeit Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg liefert die Zahlen Für eine kiezinterne Erhebung muss in Zukunft niemand mehr Nachbarn beobachten, befragen und dabei den Datenschutz, der im Möckernkiez Verein sehr vernachlässigt wird, beachten. Nach der Bereitstellung von anonymisierten Daten durch das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg wird seit dem letzten Beirat eine viel kritisierte, von der AG Politik des Möckernkiez Vereins angestoßene Erhebung zum Möckernkiez eingestellt. Die Schwerpunkte der vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg angezapften Datenquellen liegen in der Einwohnerregisterstatistik sowie der Arbeitslosen- und Kraftfahrzeugstatistik. Als öffentliche Daten können sie von jeder und jedem kostenlos abgefragt werden, solange die Arbeit für die Zusammenstellung unterhalb von 30 Minuten liegt. Darüber kostet die Abfrage eine Gebühr. Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg versteht sich als Informationsdienstleister und schreibt auf seiner Webseite: „Wir liefern Daten der amtlichen Statistik für die Region aus nahezu allen Lebensbereichen und damit Planungssicherheit für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft.“ Neben den Informationen, wie viele Menschen in unterschiedlichen Altersstufen im Möckernkiez wohnen, fiel der hohe Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund auf. Mit 227 Personen waren es bei insgesamt 915 Einwohner:innen im Jahr 2020 rund ein Viertel, nämlich 24,8 Prozent. Das war auf den ersten Blick überraschend. Doch gilt es die Definition des Statistischen Bundesamtes zu beachten, die bei Bevölkerungsstatistiken Anwendung findet: „Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde.“ Und dies kann auch im Möckernkiez viele betreffen, wenn nur einmal an die jahrelange Migration innerhalb der Europäischen Union gedacht wird. Hinzu kommen Menschen mit außereuropäischen Hintergründen. In unserem erwünschten autofreien Möckernkiez waren im Jahr 2020 gesamt 145 Autos angemeldet, davon 135 Pkws. Vielleicht ändert sich dies in Zukunft, wenn die Kfz-Besitzer ihre Karosse durch ein E-Bike vom neuen E-Bike-Laden ersetzen werden, der im Juli in G07 einziehen soll. Mit dem Yorckplatz, der neuen Rampe, rund um den Kiezplatz und dem Gleisdreieckpark wird eine abwechslungsreiche Probestrecke bereitgestellt. Macht nix, sind ja keine Autos! www.statistik-berlin-brandenburg.de Kaltes und Heißes Eiscafé Eisdreieck in der Möckernstraße Wo früher das Wohlfühlstudio Sän Sabai seine Anwendungen anbot, eröffnete pünktlich zur ersten Hitzewelle am 12. Juni das Eiscafé Eisdreieck. Zwei Schwestern des Späti-Inhabers Murat Isik, der mit seinem Späti in der Yorckstraße 22 eine Angebotslücke im Kiez füllte, freuen sich über die Liebhaber italienischen Eises der Firma Barletta aus Kreuzberg. Das Eiscafé Eisdreieck bietet Eisköstlichkeiten an wie Indische Mango, Pistazie, Amarena-Kirsch, Cookies, Salziges Karamell, Zitrone, Orange-Basilikum, Schokolade, Vanille und noch vieles mehr. Ergänzt wird das Angebot von Erfrischungsgetränken, Espresso, Cappuccino und anderen Heißgetränken. In der kühleren Jahreszeit werden Waffeln, Kuchen oder Croissants gereicht. Nach seiner Eröffnung wurde das Eiscafé Eisdreieck schnell zum Treffpunkt von Familien aus dem Möckernkiez und der näheren Umgebung. Geöffnet ist es von vormittags bis in die Nacht hinein. Geschäftsführerin Rabia Budak ist mit Herzblut und Humor bei der Sache und erklärt gerne die einzelnen Vorzüge der Eissorten. Den genialen Einfall, am Gleisdreieck das Eiscafé Eisdreieck zu nennen, hatte der Bruder aus dem Späti. Am Möckernkiezfest am 28. August beteiligt sich das „Eisdreieck“ mit einem Eisstand auf der Möckernkiezstraße. Spätestens dann dürfte jeder wissen, dass für alle Leckermäuler „umme Ecke“ ein Eiscafé mit leckerem Eis auf sie wartet. Eiscafé Eisdreieck in der Möckernstraße 46. Der Möckernkiez – mit oder ohne Elektro-Tretroller? Freudig wurde bei der letzten Beiratssitzung die Nachricht unseres Vorstands Frank Nitzsche begrüßt, dass der Vermieter LPG den sogenannten Pavillon am Yorckplatz ab 1. Juli an eine Firma für Elektro-Fahrräder vermietet. E-Bikes – aber hallo, wenn das nicht zu uns passt! Ist doch auch eine schöne Ergänzung zu den Elektro-Ladesäulen für E-Autos an der Vorfahrtstraße. Fast im gleichen Atemzug erzählte der Vorstand weiter, dass nach seiner Anweisung der Hausmeister elektrische Tretroller wegsperrt, die im Möckernkiez abgestellt werden. Im genossenschaftseigenen Tretrollerverlies sollen bereits einige auf Abholung durch die Betreiberfirmen warten. Kostenlos oder durch Zahlung eines Lösegelds? Auf der einen Seite malt der Möckernkiez „Öko“ und „Selbstverwaltet“ auf sein Aushängeschild und andererseits bestimmt der Vorstand, dass seine Bewohner:innen von ihrer Haustür elektrisch nur wieder wegfahren können, wenn sie schneller als der Hausmeister sind. Wo hört sie auf bzw. wo beginnt im Möckernkiez verkehrlich gesehen die sogenannte „letzte Meile“? An der Haustür oder an einer unsichtbaren Stadtmauer, die uns vor dem „bösen“ Berlin schützen soll? Wie stehen wir im Möckernkiez zur gesamten Palette der Elektromobiliät? Eine Haltung, wie der Möckernkiez mit Elektromobilität über Sharing-Angebote umgeht, müsste meines Erachtens in einem demokratischen Prozess von den Bewohnern des Möckernkiez entwickelt werden. Vorwegnahmen von oben herab – mögen wir das wirklich? AG Projektgruppe Gleis 1 Saubere Schienen „Die Gleise im Gleisdreieckpark dürfen nicht weiter zu einer Müllkippe verkommen“ – so lautet das Credo der Projektgruppe Gleis 1, die zur Geschichte des Anhalter Bahnhofs forscht und sich zum Ziel gesetzt hat, im Möckernkiez einen Gedenkort für die ab 1938 von dort nach Theresienstadt deportierten Jüd:innen sowie die außer Landes geschickten Kinder zu schaffen. Zwar kämpfen professionelle Kräfte jeden Tag gegen das Müllaufkommen im Park an, nicht aber zwischen den Gleisen. Also verabredeten sich die Mitglieder der Projektgruppe zum Anpacken und trugen binnen Kürze 450 Liter Müll zusammen. Voller Anerkennung für diese Aktion schlossen sich spontan Parkbesucher:innen zum Mitmachen an. Fazit der Projektgruppe: „Über diese Gleise fuhren seinerzeit nicht nur Urlauber:innen Erholung suchend Richtung Süden. Von hier aus wurden auch viele Menschen in den Tod geschickt. Mit unserer Sammelaktion verneigen wir uns symbolisch vor diesen Opfern und geben ihnen hoffentlich ein wenig von der Würde zurück, die damals mit Füßen getreten wurde.“
Die neue Aufsichtsratsvorsitzende im Gespräch „Die Zukunftsfragen gemeinsam mit den Mitgliedern erarbeiten“ Auf seiner konstituierenden Sitzung am 23. Juni wählte der Aufsichtsrat (AR) Silvana Tiedemann zur Vorsitzenden. Vier Fragen an die neue Vorsitzende. NL: Welche Prioritäten habt Ihr Euch gesetzt? ST: Als erste die Bestellung des Vorstandes. Der alte AR hat aus dem Bewerber:innenkreis eine Auswahl getroffen, die wir jetzt zu Gesprächen einladen. Dabei beziehen wir auch die Mitarbeiter:innen ein, immerhin wird es deren neue:r Chef:in. Zweite Priorität hat das Zukunftsforum. Hier starten wir am 24. August 2021 um 19:00 Uhr mit einer online stattfindenden Infoveranstaltung. Um weitere Schwerpunkte zu setzen, geben wir uns noch ein paar Monate Zeit. NL: Wie wollt Ihr Eure Arbeit gegenüber den Mitgliedern transparent halten? ST: Wir verschicken weiter regelmäßig Rundschreiben an alle Mitglieder und nehmen rotierend an den Beiratssitzungen teil – in den nächsten drei Sitzungen jeweils zu zweit, damit sich Beirat und neue AR-Mitglieder kennenlernen können. Außerdem können wir uns vorstellen, auch für den AR ein schriftliches Verfahren wie bei den Vorstandsfragen einzuführen. NL: Mit dem Zukunftsforum hat der Aufsichtsrat eine aktive Rolle in der Perspektiv-Debatte mit den Mitgliedern übernommen. Warum diese neue Rolle? ST: Ich sehe hier keine neue Rolle, aber der Genossenschaft stellen sich nun mal heute diese Fragen. Beispielsweise: Wollen wir in den nächsten Jahren einen Neubau wagen? Wollen wir primär das Leben im Kiez verbessern oder auch in die Stadt hinein wirken? Antworten zu suchen, sehen Vorstand und AR als Aufgabe, die jetzt gemeinsam mit den Mitgliedern bearbeitet werden muss. NL: Welche Themen sind für Dich persönlich besonders wichtig? ST: Zum einen die Weiterentwicklung der Selbstverwaltung, also das Zusammenspiel von Beirat, AR und Vorstand. Der Bannerkonflikt hat gezeigt, dass wir hier mehr Verlässlichkeit brauchen. Zum zweiten die Weiterentwicklung des inklusiven Charakters des Kiezes, womit ich nicht nur die Barrierefreiheit, sondern auch den Abbau sozialer Zugangsbarrieren meine. Stichwort wäre hier etwa die Institutionalisierung eines Solidarfonds. Der neue Aufsichtsrat fotografiert auf der Kiezstraße Der neue Aufsichtsrat (v.l.n.r.): Petja Pigorsch, Antonia Simon, Ulrike Arnold (stv. Vorsitzende), Silvana Tiedemann (Vorsitzende), Hille Richers, Reinhild Wagner, Sven Friedl Text: GP; Foto: AR „Barrierefreiheit geht nur mit hilfsbereiten Nachbarn“ Auf den ersten Blick sieht die Wohnung von Marianne Simon aus wie viele andere auch. Aber dann fällt auf, dass die Kücheneinrichtung komplett auf Sockeln steht, damit die Arbeitsflächen und die Schubladen ihrer Körperhöhe im Sitzen angepasst sind, denn nur so kann sich Marianne aus ihrem Rollstuhl heraus ein Essen zubereiten. Die Fläche unter dem Herd ist wie bei einem Tisch frei, weil der Rollstuhl den Platz braucht. Aber da ist doch ein Oberschrank, an den sie im Sitzen gar nicht herankommt? Lächelnd zieht Marianne einen Transponder, eine Art kleine Fernbedienung heraus, drückt ein Knöpfchen und mit einem leisen Surren wandert der Schrank nach unten, bis ihn die Obstschale auf der Arbeitsplatte stoppt. Barrierefrei wohnen – das wollte die Genossenschaft von Anfang an zumindest in einem Teil der Wohnungen verwirklichen. Ebenerdige Duschen, breitere Türen, gut aus einem Rollstuhl zu erreichende Steckdosen und Schalter – an viele Details musste schon in der Bauphase gedacht werden. Trotzdem waren noch viele Nachbesserungen nötig, bis Marianne einziehen konnte. Die Toilette war zu dicht an der Wand, auch das Waschbecken musste noch ein Stück versetzt werden. Und erst nach und nach wurden in den Häusern, in denen Rollstuhlfahrende wohnen, leicht zu bedienende Automatiktüren eingebaut. Trotzdem gibt es noch Probleme und wirkliche Herausforderungen. Zum Beispiel das Gießen der Pflanzen auf dem Balkon und in der Loggia. Es ist nur eine winzige, eigentlich kaum wahrnehmbare Schwelle, die der Rollstuhl überwinden muss. Um die schwere volle Gießkanne zu transportieren, hat sich Marianne ein Tablett auf ein Kissen montieren lassen. Aber es gelingt ihr nur selten, über die kleinen Schwellen zu kommen, ohne dass die Gießkanne herunterfällt und alles unter Wasser setzt. Mit einer bewundernswerten heiteren Gelassenheit schildert Marianne die kleinen Malaisen und die großen Probleme, mit denen sie Tag für Tag klarkommen muss. Endlich hat sie nach langer Suche ein Sofa gefunden, das hoch genug ist, um sich aus dem Rollstuhl heraus dort hinlegen zu können. Im Handel gibt es Sofas in dieser Höhe nicht, also musste es eigens nach Maß angefertigt werden. Vieles kann Marianne allein in ihrer Wohnung bewältigen. Seit einem Fahrradunfall 1997 muss sie mit dieser Querschnittslähmung leben, sie hat aber nie ihren Optimismus und ihre Freude am Leben verloren. Aber oft braucht sie auch Hilfe und die bekommt sie auch von Nachbarn, Freunden, ihren Kindern und Enkeln. „Barriefreiheit geht nur mit hilfsbereiten Nachbarn“, sagt sie. Aber auch die denken nicht immer daran, die Flügeltür ihres Rollstuhlwechselraums im Keller von Kartons und geparktem Mobiliar freizuräumen. Rund um das Haus gibt es noch so manches Hindernis. Die zu steile Rampe etwa vor der Haustür von G 17, die zur Straße führt. Eine rollstuhlgeeignetere Rampe wurde vor dem Hotel gebaut, aber leider mit Kopfsteinpflaster belegt, in dem sich ein Rollstuhl schon mal gerne verhakt. Auch der direkte Zugang von G 17 zum Park ist ein Abenteuer, weil eine Kuhle zum Auffangen von Regenwasser den Weg für Rollstühle versperrt. Aber es findet sich immer ein Ausweg oder eine helfende Hand. Marianne fühlt sich im Möckernkiez zu Hause und plant, sich noch stärker in die Genossenschaft einzubringen. Kindern und Jugendlichen mehr Mitsprache- und Miwirkungsmöglichkeiten zu geben – das ist ihr mindestens genauso wichtig wie das Streben nach noch mehr Barrierefreiheit im Kiez. Keine Kiezstatistik in Heimarbeit Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg liefert die Zahlen Für eine kiezinterne Erhebung muss in Zukunft niemand mehr Nachbarn befragen und dabei den Datenschutz beachten. Nach der Bereitstellung von anonymisierten Daten durch das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg wird seit dem letzten Beirat eine von der AG Politik angestoßene Erhebung zum Möckernkiez nicht mehr weiterverfolgt. Die Schwerpunkte der vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg angezapften Datenquellen liegen in der Einwohnerregisterstatistik sowie der Arbeitslosen- und Kraftfahrzeugstatistik. Als öffentliche Daten können sie von jeder und jedem kostenlos abgefragt werden, solange die Arbeit für die Zusammenstellung unterhalb von 30 Minuten liegt. Darüber kostet die Abfrage eine Gebühr. Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg versteht sich als Informationsdienstleister und schreibt auf seiner Webseite: „Wir liefern Daten der amtlichen Statistik für die Region aus nahezu allen Lebensbereichen und damit Planungssicherheit für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft.“ Neben den Informationen, wie viele Menschen in unterschiedlichen Altersstufen im Möckernkiez wohnen, fiel der hohe Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund auf. Mit 227 Personen waren es bei insgesamt 915 Einwohner:innen im Jahr 2020 rund ein Viertel, nämlich 24,8 Prozent. Das war auf den ersten Blick überraschend. Doch gilt es die Definition des Statistischen Bundesamtes zu beachten, die bei Bevölkerungsstatistiken Anwendung findet: „Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde.“ Und dies kann auch im Möckernkiez viele betreffen, wenn nur einmal an die jahrelange Migration innerhalb der Europäischen Union gedacht wird. Hinzu kommen Menschen mit außereuropäischen Hintergründen. In unserem erwünschten autofreien Möckernkiez waren im Jahr 2020 gesamt 145 Autos angemeldet, davon 135 Pkws. Vielleicht ändert sich dies in Zukunft, wenn die Kfz-Besitzer ihre Karosse durch ein E-Bike vom neuen E-Bike-Laden ersetzen werden, der im Juli in G07 einziehen soll. Mit dem Yorckplatz, der neuen Rampe, rund um den Kiezplatz und dem Gleisdreieckpark wird eine abwechslungsreiche Probestrecke bereitgestellt. Macht nix, sind ja keine Autos! www.statistik-berlin-brandenburg.de Kaltes und Heißes Eiscafé Eisdreieck in der Möckernstraße Wo früher das Wohlfühlstudio Sän Sabai seine Anwendungen anbot, eröffnete pünktlich zur ersten Hitzewelle am 12. Juni das Eiscafé Eisdreieck. Zwei Schwestern des Späti-Inhabers Murat Isik, der mit seinem Späti in der Yorckstraße 22 eine Angebotslücke im Kiez füllte, freuen sich über die Liebhaber italienischen Eises der Firma Barletta aus Kreuzberg. Das Eiscafé Eisdreieck bietet Eisköstlichkeiten an wie Indische Mango, Pistazie, Amarena-Kirsch, Cookies, Salziges Karamell, Zitrone, Orange-Basilikum, Schokolade, Vanille und noch vieles mehr. Ergänzt wird das Angebot von Erfrischungsgetränken, Espresso, Cappuccino und anderen Heißgetränken. In der kühleren Jahreszeit werden Waffeln, Kuchen oder Croissants gereicht. Nach seiner Eröffnung wurde das Eiscafé Eisdreieck schnell zum Treffpunkt von Familien aus dem Möckernkiez und der näheren Umgebung. Geöffnet ist es von vormittags bis in die Nacht hinein. Geschäftsführerin Rabia Budak ist mit Herzblut und Humor bei der Sache und erklärt gerne die einzelnen Vorzüge der Eissorten. Den genialen Einfall, am Gleisdreieck das Eiscafé Eisdreieck zu nennen, hatte der Bruder aus dem Späti. Am Möckernkiezfest am 28. August beteiligt sich das „Eisdreieck“ mit einem Eisstand auf der Möckernkiezstraße. Spätestens dann dürfte jeder wissen, dass für alle Leckermäuler „umme Ecke“ ein Eiscafé mit leckerem Eis auf sie wartet. Eiscafé Eisdreieck in der Möckernstraße 46. Der Möckernkiez – mit oder ohne Elektro-Tretroller? Freudig wurde bei der letzten Beiratssitzung die Nachricht unseres Vorstands Frank Nitzsche begrüßt, dass der Vermieter LPG den sogenannten Pavillon am Yorckplatz ab 1. Juli an eine Firma für Elektro-Fahrräder vermietet. E-Bikes – aber hallo, wenn das nicht zu uns passt! Ist doch auch eine schöne Ergänzung zu den Elektro-Ladesäulen für E-Autos an der Vorfahrtstraße. Fast im gleichen Atemzug erzählte der Vorstand weiter, dass nach seiner Anweisung der Hausmeister elektrische Tretroller wegsperrt, die im Möckernkiez abgestellt werden. Im genossenschaftseigenen Tretrollerverlies sollen bereits einige auf Abholung durch die Betreiberfirmen warten. Kostenlos oder durch Zahlung eines Lösegelds? Auf der einen Seite malt der Möckernkiez „Öko“ und „Selbstverwaltet“ auf sein Aushängeschild und andererseits bestimmt der Vorstand, dass seine Bewohner:innen von ihrer Haustür elektrisch nur wieder wegfahren können, wenn sie schneller als der Hausmeister sind. Wo hört sie auf bzw. wo beginnt im Möckernkiez verkehrlich gesehen die sogenannte „letzte Meile“? An der Haustür oder an einer unsichtbaren Stadtmauer, die uns vor dem „bösen“ Berlin schützen soll? Wie stehen wir im Möckernkiez zur gesamten Palette der Elektromobiliät? Eine Haltung, wie der Möckernkiez mit Elektromobilität über Sharing-Angebote umgeht, müsste meines Erachtens in einem demokratischen Prozess von den Bewohnern des Möckernkiez entwickelt werden. Vorwegnahmen von oben herab – mögen wir das wirklich? AG Projektgruppe Gleis 1 Saubere Schienen „Die Gleise im Gleisdreieckpark dürfen nicht weiter zu einer Müllkippe verkommen“ – so lautet das Credo der Projektgruppe Gleis 1, die zur Geschichte des Anhalter Bahnhofs forscht und sich zum Ziel gesetzt hat, im Möckernkiez einen Gedenkort für die ab 1938 von dort nach Theresienstadt deportierten Jüd:innen sowie die außer Landes geschickten Kinder zu schaffen. Zwar kämpfen professionelle Kräfte jeden Tag gegen das Müllaufkommen im Park an, nicht aber zwischen den Gleisen. Also verabredeten sich die Mitglieder der Projektgruppe zum Anpacken und trugen binnen Kürze 450 Liter Müll zusammen. Voller Anerkennung für diese Aktion schlossen sich spontan Parkbesucher:innen zum Mitmachen an. Fazit der Projektgruppe: „Über diese Gleise fuhren seinerzeit nicht nur Urlauber:innen Erholung suchend Richtung Süden. Von hier aus wurden auch viele Menschen in den Tod geschickt. Mit unserer Sammelaktion verneigen wir uns symbolisch vor diesen Opfern und geben ihnen hoffentlich ein wenig von der Würde zurück, die damals mit Füßen getreten wurde.“